Andacht

Andacht über

Johannes 19, 30

Jesus Christus spricht: Es ist vollbracht!

 Es ist vollbracht!

Man sieht sie vor sich, wie sie lächelnd feststellen: Er ist endlich zum Schweigen gebracht. Dieser selbsternannte Wanderprediger aus Nazareth. Er hat nun nichts mehr zu sagen. Pharisäer und Schriftgelehrte, Herodes und seine Gefolgsleute, sie brauchen sich nicht mehr anzuhören, Gottes Worte zu missbrauchen. Und wie hatte er sie beschimpft: „Ihr Schlangen und Otterngezücht! wie wollt ihr der höllischen Verdammnis entrinnen?“ (Matthäus 23, 33) hatte er noch vor kurzem gegen sie gewettert. Aber ab heute würden sie Ruhe haben. Er hing jetzt leblos am Kreuz, dem richtigen Platz für solche Gotteslästerer, wie diesen Jesus. Hatte er sich doch in seiner Verblendung selbst als Menschensohn bezeichnet mit der Vollmacht, Sünden zu vergeben (vgl. z.B. Matthäus 9, 6)! Welche Anmaßung! Ist das doch allein Ihm, dem Heiligen Israels vorbehalten!

 

Es ist vollbracht!

Jesus hat endlich seinen irdischen Weg vollendet! Er braucht sich nicht länger beschimpfen zu lassen. Leid und Schmerzen haben ein Ende. Auch muss er sich nicht länger überwiegend fruchtlos um Menschen kümmern, die sich von ihm nur Effekte zum Staunen und Weitererzählen erhofften. Die sich in großer Zahl um ihn scharen, um keines seiner „Wunder“ zu versäumen – und die dann manchmal ihr eigenes Wunder erleben, wie z.B. Zachäus (Lukas 19). Jesus war müde und enttäuscht. Selbst im Kreis seiner engsten Vertrauten, gab es Verrat.  Und verstanden hatten ihn selbst seine Jünger nicht (z.B. Matthäus 28, 17 b). Er selbst musste das schwere Kreuz zum Richtplatz schleppen. Nein, nichts war ihm erspart geblieben! Niemand hatte ihm seine grenzenlose Liebe gedankt! Doch nun hatte es ein Ende mit seiner irdischen Existenz. Er konnte sterben.

 

Es ist vollbracht!

Das sagt mit Genugtuung Jesus Christus. Er war sich nicht zu fein gewesen, seinen Platz als Gottes Sohn zu verlassen (Brief an die Philipper 2, 5ff). Um das Werk der Versöhnung, das seinem Vater so am Herzen gelegen hatte, zu ermöglichen, wurde er Mensch (Kolosser 1, 15 ff). Nur ohne Sünde (Brief an die Hebräer 4, 15). Der Schöpfer (Johannes 1, 1 ff) wurde zum Geschöpf!  Und es geschah alles, wie es der Vater bestimmt und die Propheten jahrhundertelang  angekündigt hatten. Am Rüsttag des Passahfestes, am Freitag, an dem die Lämmer für das Passah geschlachtet werden, wurde er als „Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt“ (Johannes 1, 29) am Kreuz geschlachtet. Nur durch dieses sein Opfer sind die Sünden der Menschen abgegolten. So ist der Karfreitag der Tag der Trauer darüber geworden, dass das Opfer des Sündlosen erforderlich war, weil die Menschheit stets und immer wieder gegen Gottes Liebesgebot verstößt. Von nun an kann aber jeder, der seine eigene Sünde bereut, sich an Jesus Christus wenden und Gottes Vergebung erhalten. Und das immer und in alle Zukunft. Denn Jesus ist bei uns, bis ans Ende der Zeit (Matthäus 28, 20).

So können auch wir – und Sie! – auch heute noch unser gebrochenes Verhältnis zum himmlischen Vater gesundmachen lassen. Indem wir uns Jesus Christus zuwenden. Ist das nicht großartig?

Ulrich Lorenz, Berlin