Andacht

Andacht über

1.    Petrus 4, 10

Dient einander als gute Verwalter der vielfältigen Gnade Gottes,

jeder mit der Gabe, die er empfangen hat! 

„Ne jut jebratne Jans is ne jute Jabe Jottes” freut man sich dankbar in Berlin angesichts des leckeren Festtagsbratens. Es ist richtig, an den Schöpfer und Geber aller Gaben zu denken, und wichtig, Gott zu loben und ihm zu danken. „So geh hin und iss dein Brot mit Freuden, trink deinen Wein mit gutem Mut; denn dein Tun hat Gott schon längst gefallen“ (Prediger 9,7) ermuntert uns die Bibel, uns des Lebens zu erfreuen und es zu genießen. Denn der Herr liebt seine Geschöpfe und freut sich über ihre Freude.

Diese Art von Gaben aber meint der Apostel nicht mit seiner Ermunterung, seiner Mahnung, unserem Monatsspruch: „Dient einander als gute Verwalter der vielfältigen Gnade Gottes, jeder mit der Gabe, die er empfangen hat!“  „Der Gott aller Gnade“ (1. Petrus 5, 10) hat Gnade in verschiedener Weise wirksam werden lassen. Da ist vor allem unser Herr Jesus Christus, den Gott aus Gnade allen Menschen geschenkt hat, damit sie erlöst werden von ihrer Gottesferne, ihrer Eigenmacht und Selbstherrlichkeit. Daneben gibt er auch individuelle Gnadenerweise. Von solchen Gaben spricht der Apostel Petrus, von Gottesgaben, von Gaben des Heiligen Geistes. Sehr eingehend befasst sich der Apostel Paulus in seinem ersten Brief an die Korinther im 12. Kapitel damit: Der himmlische Vater verteilt sie an die Gläubigen, damit auf diese Weise das Evangelium, seine Botschaft von seiner Liebe zu seinen Geschöpfen und von der Liebe seines Sohnes Jesus Christus zu den Menschen gefördert und verbreitet wird. Denn er „will, dass alle Menschen gerettet werden und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen“ (1. Timotheus 2, 4).

Zu diesem Zweck verteilt der himmlische Vater verschiedene Fähigkeiten, die aber alle durch den Heiligen Geist gelenkt werden, die alle in Jesus vereint sind. „Es sind verschiedene Gaben; aber es ist ein Geist. Und es sind verschiedene Ämter; aber es ist ein Herr. Und es sind verschiedene Kräfte; aber es ist ein Gott, der da wirkt alles in allen“ (1. Korinther 12, 4ff). Wie in einem menschlichen Körper viele Funktionen zusammenwirken, so arbeiten in der Gemeinde, dem „Leib Christi“, viele Ämter zusammen. „Ihr aber seid der Leib Christi und jeder Einzelne ein Glied. Und Gott hat in der Gemeinde eingesetzt erstens Apostel, zweitens Propheten, drittens Lehrer, dann gab er die Kraft, Wunder zu tun, dann Gaben, gesund zu machen, zu helfen, zu leiten und mancherlei Zungenrede“ (a.a.O., 27f).

Jeder, der in der Gemeinde ein Amt hat, soll es „als guter Verwalter ausüben“ nach dem Gebot Jesu, „dass ihr einander liebt, wie ich euch liebe“ (Johannes 15, 12). So ist die Aufforderung des Apostels Petrus zu verstehen: „Dient einander.“ So wie der Samariter in Jesu Gleichnis (Lukas 10, 30ff) dem diente, der unter die Räuber gefallen war, so uneigennützig und umfassend soll der Dienst in der Gemeinde in Ausübung der Gnadengabe sein.

Es gibt niemanden, der in Christus Jesus ist, dem der himmlische Vater nicht in seiner Güte ein Amt verliehen hätte. Nicht jeder kann die Gemeinde leiten oder predigen. Aber jeder kann für sich und andere beten. Und wer nicht mehr zur Bibelstunde oder zum Gottesdienst kommen kann, kann sich in der Fürbitte mit der Gemeinde verbinden. Und vielleicht hat ja die Gemeinde einen Besuchs- oder wenigstens einen Telefondienst für die Alten und Kranken. Denn:

Bei Jesus Christus ist niemand alleine.

Ulrich Lorenz, Berlin