Andacht

Andacht über

Römer 8, 18

Denn ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll.

Hiob ist in der Bibel der Inbegriff des Leidens. Des Leidens in allen Arten: Er verliert durch einen kriegerischen Überfall alle seine Kinder. Eine Naturkatastrophe beraubt ihn aller seiner Herden, seiner ganzen Habe. Schließlich befallen ihn Schmerzen und Geschwüre an seinem ganzen Körper. Seiner Frau antwortet er auf ihre Vorwürfe und Klagen stets mit einem scheinbar ergebenen, frommen Satz: „Der HERR hat’s gegeben, der HERR hat’s genommen; der Name des HERRN sei gelobt!“ (Hiob 1, 31b).

Doch Hiob ist trotz der dieser gleichmütigen Antwort an seine Frau tief im Innern verzweifelt (Hiob 3, 1ff). Eine Frage treibt Hiob um. Die Frage nach dem „Warum?!“ Warum tut Gott ihm das an? Ist es eine Strafe? Hiob ist sich keiner Schuld bewusst. Mancher von uns formuliert diese Frage so: „Was will Gott mir damit sagen, dass er mich so quält?“ Und falls Gott nicht selbst der Urheber der Leiden ist – bei Hiob ist es der Satan (vgl. Hiob 1, 6ff) – warum lässt Gott das zu, dass ich so leiden muss?

Hiob erhält von Gott persönlich eine Antwort, wenn auch nicht auf seine eigentliche Frage „Warum?“. Hiob wird seine Bedeutungslosigkeit im Vergleich zu Gottes Allmacht vor Augen gestellt: „Wer ist’s, der den Ratschluss verdunkelt mit Worten ohne Verstand?“ (Hiob 38,2). Wer ist denn der Mensch, der sich anmaßt mit seinem kleinen Verstand Gottes Ratschluss zu messen und zu kritisieren?! „Als ob der Ton dem Töpfer gleich wäre, dass das Werk spräche von seinem Meister: ‚Er hat mich nicht gemacht!‘, und ein Bildwerk spräche von seinem Bildner: ‚Er versteht nichts!‘“ (Jesaja 29,16).

Eine erschütternde Antwort! Der Mensch ist doch eine besondere Schöpfung: „Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau“ (1. Mose 1, 17). Dieser Mensch gilt nichts vor Gott?! Dass das eine irrige Auffassung wäre zeigt sich dann aber an der gütigen Behandlung Hiobs durch den himmlischen Vater: „Und der HERR erhörte Hiob. Und der HERR wandte das Geschick Hiobs, als er für seine Freunde bat. Und der HERR gab Hiob doppelt so viel, wie er gehabt hatte“ (Hiob 42, 9b f).

Denn Gott ist gütig und – wie Jesus in seinem Leben und Sterben gezeigt hat – voller Liebe zu den Menschen (vgl. z.B. Johannes 17, 26). Im Evangelium nach Markus 5, 25 ff (ebenso: Matthäus 9, 20ff; Lukas 8, 43ff) wird uns von einer seit Langem kranken Frau berichtet. Der gelingt es, in der Menge sich Jesus soweit zu nähern, dass sie seine Kleidung berühren kann. Davon hatte sie sich ganz fest Heilung versprochen. Dadurch wurde sie wirklich geheilt. Sie hatte ihre Hoffnung und ihr Vertrauen in Jesus als den Sohn Gottes gesetzt und war nicht enttäuscht worden. „Er (Jesus) aber sprach zu ihr: Meine Tochter, dein Glaube hat dich gesund gemacht; geh hin in Frieden und sei gesund von deiner Plage!“ (Markus 5, 34). Es war das unerschütterlich, kindliche Vertrauen in die liebevolle Güte Gottes und seines Sohnes, die der Frau Heilung verschafft hat.

So können auch wir in allem Leid unser Vertrauen in den himmlischen Vater durchhalten und nicht zweifeln daran, dass alles Schwere, das uns bedrückt, vom himmlischen Vater zugelassen oder verursacht wird aus liebevoller Voraussicht auf das, was uns hier auf Erden und erst recht im Jenseits bevorsteht wie unser Monatsspruch feststellt.

Ulrich Lorenz, Berlin