Andacht

Andacht über

Jeremia 31, 9

Gott spricht:

Sie werden weinend kommen, aber ich will sie trösten und leiten.

„Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet“ (Jesaja 66, 13a) versichert uns der himmlische Vater. Die Mutter, die liebevoll ihr schluchzendes Kind in die Arme nimmt, ihm über den Kopf streichelt und es an sich drückt – sie ist wohl der Inbegriff des Tröstens. Wer hat nicht eine wohlig warme Erinnerung an die Mutter und das Gefühl grenzenloser Geborgenheit, das wir bei ihr empfanden? Ein solches Gefühl, geborgen zu sein, erfahren wir auch, wenn wir uns ganz dem himmlischen Vater anvertrauen. Und so, wie eine Mutter ihr Kind tröstet, weil sie es sehr lieb hat, tröstet der himmlische Vater uns; alles, weil er uns, seine Kinder, sehr liebt.

Jeder, der an Jesus als den Christus, den Retter der Menschen glaubt, gehört zu den Kindern Gottes. Denn ganz am Anfang seiner Schilderung des irdischen Lebens Jesu, beschreibt der Evangelist Johannes: Jesus, der mit seinem Vater die Welt geschaffen hat, kommt im Auftrag Gottes als Mensch zu den Menschen in die Welt – und wird von diesen abgelehnt. Nur diejenigen, die ihn in ihr Herz aufnehmen, die in ihm den Sohn Gottes erkennen, die so leben wollen wie er, „denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden: denen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus menschlichem Geblüt noch aus dem Willen des Fleisches noch aus dem Willen eines Mannes, sondern aus Gott geboren sind“ (vgl. Johannes 1, 8 ff).

Das Alte Testament der Bibel besteht aus Schilderungen, wie Gott sich seinen geliebten Kindern offenbart, wie er ihnen seine Liebe zu ihnen gezeigt hat, und wie sie ihn missachtet haben und eigene Wege gegangen sind, andere „Götter“ angebetet und seine Gebote für ihren Umgang untereinander ignoriert haben (vgl. z.B. Jeremia 7, 16 ff). Schließlich versuchte er, sie mit der verheerenden Niederlage im Babylonischen Krieg zur Vernunft zu bringen. Aus dieser Zeit stammt unser Monatsspruch: „Gott spricht: Sie werden weinend kommen, aber ich will sie trösten und leiten“ (Jeremia 31, 9). Doch vergeblich: Das Völkchen, das er ausgewählt hatte, um an ihm und mit ihm der Welt zu zeigen, wie er sich das Zusammenleben mit ihm und der Menschen miteinander denkt – das Volk Israel hatte ihn dennoch verraten und verlassen.

Und so sandte er schließlich seinen Sohn Jesus Christus in die Welt. Der zeigte allen, wie die Gebote Gottes gemeint waren, dass sie Zeichen der Liebe Gottes sind, die das Zusammenleben der Menschen erleichtern. Und die deutlich machen, dass zwischenmenschliche Beziehungen nur dauerhaft funktionieren, wenn wir unsere Beziehung zu Gott ordnen.

Jesus lebte all das vor. Aus Liebe zu den Menschen ließ er sich sogar ohne Gegenwehr zu Unrecht anklagen und zum Tode verurteilen, zum Tode am Kreuz. Zum Zeichen dafür, dass er dies im Auftrag Gottes tat, ließ dieser ihn am Ostersonntag von den Toten auferstehen. Seither ist jeder der glaubt, dass Jesus der Sohn Gottes ist, frei von Schuld und Sünde und wird am Jüngsten Tag auferweckt (vgl. z.B. Johannes 6, 40).

Jesus hat während seines irdischen Lebens die Liebe Gottes in vielfältiger Form demonstriert, in Predigten und in Heilungen, oder indem er die Menschen von körperlichen und seelischen Leiden befreite. Er hat uns alle eingeladen: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken“ (Matthäus 11, 28).

Als er schließlich in sein himmlisches Reich zurückkehrte, hinterließ er den Menschen seine Heiligen Geist (vgl. Johannes 14, 15 ff). Und allen versicherte er: „Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“ (Matthäus 28,20).

Was brauchen wir mehr?

Ulrich Lorenz, Berlin