Andacht

Andacht über

1. Korinther 7, 13

Ihr seid teuer erkauft; werdet nicht der Menschen Knechte.

Manchmal macht es uns die Bibel schwer, sie zu verstehen: „Teuer erkauft“?

Es gab noch leibeigene Sklaven, als der Apostel Paulus an die Korinther schrieb, etwa im Jahre 55 nach Christi Geburt. Es gab noch leibeigene Knechte, in Preußen bis zum Martinstag 1810, als Luther die Bibel ins Deutsche übersetzte. Damals verstand man unseren Monatsspruch. Sklaven wurden auf Märkten gehandelt, wie Äpfel oder Töpfe. Man konnte sie kaufen und verkaufen. Durch die List der Schlange (1. Mose 3) waren Adam und Eva, waren die Menschen zu Sklaven, zu Knechten der Sünde geworden.

Wie Rauschgift, wie Alkohol macht die Sünde süchtig, macht uns abhängig. „Das eben ist der Fluch der bösen Tat, dass sie, fortzeugend, immer Böses muss gebären“, so hat es Friedrich Schiller beschrieben. Die Sünde setzt sich zusammen aus vielen „Herren“, z. B. Neid, Gier, Lüge, Hass, Zorn, Mord. Und sie scheint uns Erfolg zu schenken.

Bereits Asaph, der Chorleiter von König David (etwa 1000 vor Christi Geburt), hat sich darüber erzürnt, dass Sündern offenbar alles gelingt. Insbesondere die Nichtachtung, ja, die Verachtung des himmlischen Vaters durch den Sünder führt zu immer neuer Missachtung der Weisungen und Gebote Gottes. „Sie sprechen: Wie sollte Gott es wissen? Wie sollte der Höchste etwas merken?“ (Psalm 73, 11) ereifert sich Asaph. Ohne es zu spüren, vielleicht sogar ohne es anfangs zu wollen, gewöhnt uns die Sünde daran, die Entscheidungen unseres Lebens zu treffen, ohne den Rat unseres himmlischen Vaters im Gebet einzuholen. Wenn das zu funktionieren scheint, lösen wir uns immer mehr von Gott ab, bis wir eines Tages zu dem Schluss kommen: „Es ist kein Gott“ (Psalm 14, 1).

„Ihr seid teuer erkauft; werdet nicht der Menschen Knechte“ lautet der Monatsspruch. Jesus hat durch seinen Sühnetod am Kreuz alle Menschen von ihrer Sünde „freigekauft“, alle Menschen, die ihn als Messias, als ihren und der Welt Retter anerkennen. Durch das „Ja“ zu Jesus steht jeder Mensch schuldlos vor Gott. Jesus zahlt dafür einen teuren Preis, den höchsten den es gibt: er zahlt mit seinem Leben. Er opfert sein Leben für uns! Und er tut das aus Liebe, er sagt: „Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde“ (Johannes 15, 15). Und bei ihm gibt es nur einen Herrn, Jesus, die Liebe in Person.

„Jesus antwortete: Das höchste Gebot ist das: »Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der Herr allein, und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und mit all deiner Kraft«. Das andre ist dies: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«. Es ist kein anderes Gebot größer als diese“ (Markus 12, 29ff). Die Liebe zu Gott als dem Schöpfer aller Dinge und das Vertrauen in seine unverbrüchliche, treue Liebe zu seiner Schöpfung, ist die Grundlage jedes menschlichen Lebens. Daraus folgt die unvoreingenommene Liebe zum Mitmenschen, dem Nächsten, dem der in einem konkreten Augenblick meiner Zuwendung bedarf (vgl. Lukas 10, 30ff).

Der Apostel Paulus schreibt den Korinthern gleichsam das Rezept für ein gelungenes Leben: „Doch soll jeder so leben, wie der Herr es ihm zugemessen, wie Gott einen jeden berufen hat“ ((1. Korinther 7, 17). So zu leben, wie es die Gebote des himmlischen Vaters anweisen, wie er in einer konkreten Situation uns im Gebet empfiehlt, fällt uns nicht immer leicht, ja, scheint uns manchmal sogar unmöglich (z. B. wenn wir glauben, zu einer Notlüge greifen zu müssen). Doch Jesus hat uns versprochen: „Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“ (Matthäus 28, 20). Er wird uns liebevoll vergeben, wann immer wir versagen.

Ulrich Lorenz, Berlin