Andacht

Andacht über

Offenbarung 15,3

Groß und wunderbar sind deine Werke, Herr, allmächtiger Gott! Gerecht und wahrhaftig sind deine Wege, du König der Völker.

„Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er den einzigen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe“ (Johannes 3, 16). Mit diesen Worten umreißt Jesus seinen Auftrag, den er von seinem himmlischen Vater erhalten hat, nämlich die Kluft zwischen der Liebe des Vaters zu seiner Schöpfung, besonders seiner Liebe zu den Menschen, einerseits und seinem unbedingten Anspruch auf Reinheit, Schuldlosigkeit und Klarheit in allem, was mit ihm in Berührung kommt, zu überwinden. Das menschliche Denken und Handeln war durch die erfolgreichen Bemühungen des Satans in der Gestalt der Schlange egoistisch und rücksichtslos geworden, war geleitet von dem Wunsch, Gott gleich zu sein und alle „Bevormundung“ durch Gebote und Regeln abzuschütteln (s. 1. Mose 3).

Seither ist die Weltgeschichte geprägt von dem eigenmächtigen, eigensinnigen Handeln der Menschen und der Strafe und dem Zorn Gottes. Kein Unrecht, das auf der Welt geschieht bleibt vor Gott unerkannt, ungesühnt. Dabei kann Gott aber durchaus dem Menschen Gelegenheit geben, nach seinem Gutdünken weiter zu machen (vgl. Römer 1, 24 ff). Gott kann auch zulassen, dass die Menschen sich von ihren Begierden ins Unglück führen lassen. Er kann sogar zusehen, wie die Menschheit sich selbst zerstört (z.B. in einem weltumspannenden Krieg). Gott scheint abwesend zu sein, zu schlafen oder tot zu sein – in Wirklichkeit aber sieht er alles, entgeht seinem aufmerksamen Blick kein Detail, er sieht alles Leid, alles Unrecht, alle Bosheit. Und er richtet alles, was Menschen tun. Nichts bleibt vor seinem Richterstuhl unerwähnt und ungestraft (vgl. Matthäus 13, 40ff).

Kein Mensch ist in der Lage, Gottes unbedingtem Anspruch nach rückhaltloser Liebe zu genügen (vgl. Markus 12, 30f). Gott müsste alle Menschen dem endgültigen Urteil unterwerfen, denn alle Menschen verstoßen gegen Gottes Gebot (vgl. Römer 3, 12). Das aber will Gottes Liebe zu den Menschen nicht zulassen. Daher hat er seinen Sohn Jesus aus Nazareth beauftragt, den Menschen vorzuleben, wie das richtige Verhältnis des Menschen zu Gott und zu anderen Menschen auszusehen hätte. Gleichzeitig hat Gott alle Menschen eingeladen, dem Beispiel Jesu zu folgen, sich von Jesus führen zu lassen, das Leben von Jesus bestimmen zu lassen. Wer dieser Einladung folgt, entgeht dem Gericht, gewinnt das ewige Leben in der Gemeinschaft mit Gott und seinem Sohn.

Alle Menschen, die dieser Einladung bis an ihr – oft gewaltsames – Lebensende gefolgt sind, versammeln sich und singen, so schildert es Johannes in seinem Bericht von der Offenbarung, die Gott ihm vom Weltlauf gegeben hat, ein Lied des Dankes, wie es einst die Israeliten gesungen haben, als sie unter Moses Leitung durch das Schilfmeer gegangen und den Streitwagen Pharaos entkommen waren (vgl. 2. Mose 15).

Die, an denen das Gericht (vgl. Johannes 5, 24) vorübergegangen ist, stimmen ein in einen dankbaren Jubel, in ein Triumphlied: „Groß und wunderbar sind deine Werke, Herr, allmächtiger Gott! Gerecht und wahrhaftig sind deine Wege, du König der Völker“, unseren Monatsvers, und fassen noch einmal in dem Lied zusammen, was die Ordnung der Welt ist: „Wer wird nicht fürchten, Herr, nicht preisen deinen Namen? Denn du allein bist heilig, ja, alle Völker werden kommen und beugen ihre Knie vor dir, denn offenbar geworden ist deine Rechtsordnung“ (Offenbarung 15, 4; Züricher Bibel). Sie singen allein zur Ehre Gottes, ein Lied der Anbetung, frei von aller Heuchelei. Es geht nur um die Verherrlichung Gottes, er, der Allmächtige, empfängt die Ehre und den Lobpreis, die ihm als dem Herrscher über alles zustehen. Er hält alle Macht in der Hand.

Deshalb beten wir nach Jesu Vorbild: „Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden“ (Matthäus 6, 9f).

Ulrich Lorenz, Berlin