Andacht

Andacht über

Matthäus 16,26

Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele?

„… da bildete Gott, der HERR, den Menschen, aus Staub vom Erdboden und hauchte in seine Nase Atem des Lebens; so wurde der Mensch eine lebende Seele“ (1. Mose 2, 7). Gott schenkt ihm die Seele, der Mensch wird dadurch zum Ebenbild Gottes. Deshalb ermahnt der Engel des Herrn den Neffen Abrahams, Lot und seine Frau: „Errette deine Seele und sieh nicht hinter dich; auch stehe nicht in dieser ganzen Gegend …“ (1. Mose 19, 17). Gott kümmert sich liebevoll um alle, die sich ihm anvertrauen. Wer jedoch wie Lots Frau die Gebote Gottes missachtet, hat die Folgen zu tragen (s. 1. Mose 19, 26). Das gilt auch heute noch.

Die Seele ist ein Gottesgeschenk, ihre Stimme ist das Gewissen. Und beide können verstummen, wenn sie krank werden. Wie leicht geschieht das! Ein leichter Husten, der monatelang nicht aufhören will, entpuppt sich plötzlich als Symptom einer lebensbedrohlichen Lungenkrankheit. Angst stellt sich ein. Die besonders nachts ständig kreisenden Gedanken machen die Seele kaputt. Die Bibel kennt viele Geschichten von Menschen, die lange Zeit vergeblich mit einem körperlichen Leiden zu kämpfen hatten (vgl. z.B. Matthäus 9 20).

Krankheiten der Seele sind auch z.B. Depression und Verzweiflung ebenso wie Neid, Habgier, Rechthaberei usw. Mit allen diesen Symptomen sind vor zweitausend Jahren die Menschen zu Jesus gekommen. Er hat sie geheilt, oft verbunden mit der Ermahnung „Sündige hinfort nicht mehr“ (z.B. Johannes 5, 14). Auch heute können Menschen bei Jesus gesunden. Denn Jesus ist auch heute noch unter uns, auch wenn wir ihn meistens nicht sehen (s. Matthäus 28, 20)

Jesus will das durch Adam und Eva zerstörte Verhältnis zwischen seinem himmlischen Vater zu uns Menschen heilen. Der Versuch, sich von Gott zu befreien, war einerseits erfolgreich, denn sie konnten von nun an Gut und Böse unterscheiden. Aber: so, wie „Eva sah, dass von dem Baum gut zu essen wäre und dass er eine Lust für die Augen wäre und verlockend, weil er klug machte“ (1. Mose 3, 6), so ist für den Menschen auch heute noch das Böse verlockender als der „langweilige“ Weg des Guten.

Daher wirkt sich die Emanzipation von Gott verheerend auf die Menschen und ihr Zusammenleben aus. Es begann mit Mord (1. Mose 4), erstreckte sich über den misslungenen Turmbau zu Babel (1. Mose 11) und endete nicht mit dem Opfertod Jesu am Kreuz von Golgatha. Ja, die schlimmen Folgen der Loslösung von Gott sind auch heute noch überall spürbar. Denken Sie nur an den Umgang, den wir mit einander haben in einer vollbesetzten U-Bahn!

„Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele?“ Diese Frage unseres Heilandes können wir nur resignierend beantworten. Jesus weist uns aber auf den richtigen Weg: „Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen“ (Matthäus 18, 3). Vorbehaltloses Vertrauen in Gottes liebevolle Fürsorge für unser Leben, wie neugeborene Kinder (1. Petrus 2, 2) es gegenüber ihren Eltern haben, sollen wir in Jesu Nachfolge entwickeln.

Oder wie Friedrich von Bodelschwingh es formuliert hat: „Es ist gut und macht still, wenn man sich ganz in seine Hand gibt.“

Ulrich Lorenz, Berlin