Andacht

Andacht über

Hosea 10, 12

Säet Gerechtigkeit und erntet nach dem Maße der Liebe! Pflüget ein Neues, solange es Zeit ist, den HERRN zu suchen, bis er kommt und Gerechtigkeit über euch regnen lässt!

Er war wohl, nach dem Wenigen, was wir von ihm wissen, mehr ein Intellektueller als ein Bauer, der Prophet Hosea. Er war kein Bauer, aber er benutzte – genau wie Jesus – Bilder aus der Landwirtschaft, wenn es ihm wichtig war, dass seine Zuhörer ihn verstehen.

„(Jesus kam nach Galiläa) und sprach: Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist herbeigekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium!“ (Markus 1, 15) So predigte auch Hosea. Damit auch die seiner Zuhörer verstanden, was er meinte, die mit dem Begriff „Buße“ nichts anfangen konnten, kleidete er seine Predigt in ein bäuerliches Bild, unsern Monatsspruch: „Säet Gerechtigkeit und erntet nach dem Maße der Liebe! Pflüget ein Neues, solange es Zeit ist, den HERRN zu suchen, bis er kommt und Gerechtigkeit über euch regnen lässt!“

Beim Pflügen wird der Ackerboden aufgebrochen, aufgerissen. Die bestehenden Strukturen werden zerstört, nichts wird beim Alten gelassen. Die Scholle wird aus ihrem Zusammenhang gerissen und umgewälzt. Wurzeln werden zerrissen. Auch in unserem Leben sollen durch die Buße die Wurzeln der Verbitterung, des Neides, des Zorns, der Unversöhnlichkeit zerrissen werden. Wenn wir auf unserem Lebensweg umkehren, werden unsere Gewohnheiten in Frage gestellt, landen sie auf dem Prüfstand von Gottes Wort. Unser ganzes Leben mit allen seinen Facetten und Winkeln wird durchleuchtet und umgekehrt, nichts bleibt ungeprüft beim Alten, alles wird gemessen an der Liebe.

Die Saat ist ebenfalls Wort Gottes wie es sich z.B. durch die Zehn Gebote offenbart. Auch die Predigt Jesu vom Berge ist ein hervorragender Maßstab, um uns zu messen, oder die Schriften der Propheten (z.B. Jesaja oder Jeremia oder eben Hosea), oder die Briefe der Apostel, (z.B. Paulus oder Petrus). Alle diese Texte haben – bei aller Vielfalt ihrer Themen – doch ein einziges, allem zugrunde liegendes Thema: die Liebe – die Liebe zum himmlischen Vater ebenso wie die Liebe zum nächsten Menschen. So handeln z.B. die Zehn Gebote in den ersten drei Geboten von unserer Liebe zum himmlischen Vater,  die restlichen von der Liebe, die im Umgang mit anderen Menschen wirken soll. Berühmt ist das „Hohelied der Liebe“, das der Apostel Paulus in seinem ersten Brief an die Korinther geschrieben hat (1. Korinther 13).

Wer sich nach diesen Regeln zu verhalten versucht, wird bemerken, wie ihm das Leben gelingt. Der Heilige Geist wird ihn ernten lassen nach dem Maß der Liebe, wie Hosea feststellt. Ein Gefühl der Geborgenheit wird sich einstellen, das aus dem Frieden stammt, den der Heilige Geist nach den Worten Jesu (Johanes 14, 15ff und 26) schenkt und den jeder empfängt, der sich durch Pflügen und Säen zum Ernten bereitet hat.

Der Evangelist Johannes hat diese Umkehr in seinem ersten Brief so als Weisung des himmlischen Vaters präzisiert: „Und das ist sein Gebot, dass wir glauben an den Namen seines Sohnes Jesus Christus und lieben uns untereinander, wie er uns das Gebot gegeben hat“ (1. Johannes 3, 23).

Ein fröhliche Urlaubszeit und eine reiche Ernte Ihnen allen!

Ulrich Lorenz, Berlin