Andacht

Andacht über

Psalm 38, 10

Herr, all mein Sehnen liegt offen vor dir, mein Seufzen war dir nicht verborgen.

 „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken“ (Matthäus 11, 28) lädt uns Jesus zu sich ein. Uns alle, die wir unsere Gottferne spüren und das Verlangen haben, die wir „Sehnen“ und „Seufzen“, das zu ändern, uns dem himmlischen Vater wieder zu nähern. „Diesen Psalm betete Christus in seinem Leiden und in der Buße, die er für unsere Sünde geleistet hat.“ Mit diesen Worten leitet Martin Luther seine Auslegung des 38. Psalms ein, des dritten Bußpsalms. Jesus empfindet Mitleid mit uns, die wir uns nicht selber helfen können.

Jesus will uns den Weg zu Gott wieder zu finden lassen. Denn wir können nicht aus eigener Kraft zum himmlischen Vater gehen, um ihn um Verzeihung zu bitten. Die Mauer unsere Lieblosigkeit, unseres Neids, unserer Eifersucht, unserer Rechthaberei und unserer Unversöhnlichkeit, diese Mauer ist zu hoch und wird ständig höher. „Mit unserer Macht ist nichts getan, wir sind gar bald verloren; es streit‘ für uns der rechte Mann, den Gott selbst hat erkoren. Fragst du, wer der ist? Er heißt Jesus Christ…“ (GL 461, 2; EG 362, 2).

Jesus hat viele Bilder und Gleichnisse für sein Verhältnis zu uns und seinem, unserem himmlischen Vater verwendet. Er bezeichnet sich selbst als Quelle „lebendigen Wassers“ (Johannes 4, 10ff) oder als „Brot des Lebens“ (Johannes 6, 35). So hat er sich auch als den „guten Hirten“ (z. B. Johannes 10, 12) bezeichnet. Auf diese Weise wird der 23. Psalm des Könige David zum Psalm Jesu Christi.

Der Psalm gliedert sich in zwei Teile: Nach der einleitenden Feststellung „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln“ (Psalm 23, 1) schildert der Beter des Psalms in anschaulichen Bildern die Hilfe, den Schutz, ja, die Geborgenheit die er dadurch erfährt, dass der Herr sein Hirte ist. Er weiß, ihm kann nichts geschehen, was sein Hirte nicht für gut befunden hat.

Diese Gewissheit vermittelt uns Jesus, wenn wir uns ihm als dem guten Hirten unseres Lebens anvertrauen. Bei ihm finden wir Ruhe in stürmischen Zeiten („Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht“, Johannes 14, 27). Bei ihm finden wir Geborgenheit.

Wie oft schon waren wir verzweifelt, nirgends Trost, nirgends Hilfe. Doch dann öffnete uns Jesus den Blick für das Wesentliche. „Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe? Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat“ (Psalm 121, 1f). Natürlich! Sollte der nicht eine Lösung auch für meine Probleme haben, der alles geschaffen hat?! Wenn wir uns dann darauf besinnen, dass wir ja Schafe in Jesu Herde sind, dann ist die Hilfe gegen unsere Sorgen und Ängste ganz nah.

„Ich rufe, und du hörst mich, / gibst meiner Seele Stärke und Kraft. / Du siehst mich, / wenn ich voll Angst bin /hältst meine Hand fest, / eh sie erschlafft“ (GL 259, 1). Warum sollte ich noch zögern, mein Leben in Jesu Obhut zu geben, mich seiner Herde anzuschließen, mich von ihm halten zu lassen?

Ulrich Lorenz, Berlin