Andacht

Andacht über

Matthäus 2, 10

Da sie den Stern sahen, wurden sie hoch erfreut.

 Sie alle hätten es wissen können. Die Pharisäer und Schriftgelehrten. Sie hätten wissen können, dass der Messias zu ihrer Zeit in die Welt kommen würde. Denn es stand alles in den Schriften des Mose und der Propheten, die sie so eifrig studierten. Und sie wussten es ja auch, aber sie fühlten sich nicht angesprochen. Für sie war das politisch, historisch und theologisch interessant, aber mit ihrem täglichen Leben hatte es nichts zu tun. So wie bei uns heute.

Anders die drei Männer aus dem Orient. Ob sie die Prophezeiungen von Mose, Jesaja und den anderen jüdischen Propheten kannten, wissen wir nicht: die Prophezeiung des Micha, dass Bethlehem die Stadt des Erscheinens des Messias sein wird, war ihnen offenbar unbekannt. So folgten sie dem Stern, der sie nach Jerusalem führte, wo sie sich erkundigen konnten: „Wo ist der neugeborene König der Juden?“ (Matthäus 2, 2).

Und wo sie Auskunft erhielten. Ja, es gäbe Prophezeiungen, dass gerade jetzt der Messias erscheinen würde. Und eine mehr als 700 Jahre alte Prophezeiung hatte sogar den Ort seines Auftauchens benannt: Bethlehem, ein kleines Nest in den judäischen Bergen, rund 10 km entfernt. Dankbar zogen die drei Männer weiter, versehen mit dem Auftrag des Königs Herodes, auf dem Heimweg wieder vorbeizukommen und zu berichten.

Kaum waren sie dem Getümmel der Großstadt entronnen, sahen sie wieder ihren Führer, den besonders hell leuchtenden Stern. Sie spürten schon die ganze Zeit, dass Gott ihnen damit ein Zeichen geben wollte. „Da sie den Stern sahen, wurden sie hoch erfreut“ – unser Monatsspruch drückt ihre Seelenlage aus. So als hätten ihre lebenslangen Forschungen (in ihrer Heimat galten sie als Weise und Fürsten der Wissenschaft) nun bald ihr Ziel erreicht.

Der Stern zeigte ihnen sogar das Haus, in dem sie den Gesuchten fanden: es war ein Baby auf dem Schoß seiner Mutter. Und sie erkannten: das war kein König wie Herodes, auch kein Großkönig wie Nebukadnezar oder Alexander – das war der Herrscher der Welt, Gottes Sohn. Und durch ihn strahlte so viel Liebe und Güte, dass sie auf die Knie fielen und anbeteten, überwältigt von der Gnade Gottes.

Das dankbare Staunen überfiel die Weisen aus dem Morgenland; was sie finden, was sie sehen, ist das Menschliche, das Normale im allmächtigen Gott: Ein neugeborenes Kind als Zeichen der Versöhnung mit den Menschen. Und die Botschaft von diesem Kind weckt dankbares Staunen: Gottes Gabe für unser Leben ist die Vergebung. Gottes Brot für unser Leben ist die Liebe. Und wichtig: So, wie der ewige Gott damals in dem Jesuskind in Israel zur Welt gekommen ist, so kommt er auch noch heute mit seinen Gaben zu uns.

Sie sind die ersten Nichtjuden, sie sind Heiden, von denen uns die Bibel berichtet, die dem Messias, dem Heiland der Welt, dem Retter der Menschen begegnen. Sie „fielen nieder und beteten (das Kind) an und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe“ (Matthäus 2, 11). Sie begingen das Christfest, wie auch wir es heute noch feiern. Mögen doch auch wir wie sie vor Jesus „niederfallen und ihn anbeten.“

Ein gesegnetes Christfest Ihnen allen.

Ulrich Lorenz, Berlin