Andacht

Andacht über

Matthäus 28, 20

Jesus Christus spricht:

Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.

„Einige aber zweifelten“ (Matthäus 28, 17) berichtet Matthäus beiläufig vom letzten Zusammentreffen der Jünger mit dem Herrn. Woran zweifeln sie? Jesus steht vor ihnen. Er war tot. Nun ist er wieder da. Wie kann man da zweifeln? Jesus geht nicht auf die Zweifel ein, obwohl er sie mit Sicherheit bemerkt hat. „Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ Das sagt er allen. Auch den Zweiflern. Auch uns.

Aber: Hatte Jesus selbst sie nicht gewarnt? „Seht zu, dass euch nicht jemand verführe. Denn es werden viele kommen unter meinem Namen und sagen: Ich bin der Christus, und sie werden viele verführen“ (Matthäus 24, 4b f). Woher sollten sie wissen, ob der „Jesus“ vor ihnen der echte Jesus ist? Ja, die Zweifel sind berechtigt. Ja Jesus nimmt die Zweifel ernst. Aber er kann, er will sie ihnen nicht abnehmen. Denn sein Vater hat den Menschen „zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes“ (1. Mose 1, 27b) geschaffen. Nicht als Marionette, sondern als einen nahezu gleichwertigen Partner. Der Mensch ist von Gott gemacht als ein Wesen, das autonom sich auch zum Ungehorsam entscheiden kann (s. 1. Mose 3). Und das Zweifel haben darf. Ein Wesen, das jedoch eigentlich nicht ungehorsam sein soll, das eigentlich nicht zu zweifeln braucht. Und das kann er sein mit Jesu Hilfe.

Denn der himmlische Vater hat deshalb seinen Sohn Jesus als Retter in die Welt gesandt (vgl. 1. Brief des Johannes 4, 9), damit wir Menschen Gott richtig erkennen können und wieder Zugang zum Allerhöchsten haben: indem wir seinem Sohn zuhören. Dazu müssen wir ihm glauben, müssen wir an ihn glauben.

Aber nicht nur bei unseren Anfechtungen steht uns Jesus bei. Er ist für uns da, wo und wann immer wir ihn im Gebet ansprechen. Seine Zusage „ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“ gilt auch in Verbindung mit seiner Einladung „kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken (Matthäus 11, 28). Und so können wir uns mit all unseren Sorgen und Problemen an Jesus wenden. Natürlich mit unseren Glaubensproblemen, aber ebenso mit unseren alltäglichen Sorgen.

Wichtig ist, dass wir uns nicht mit unseren eigenen Gedanken bei uns selbst festbeißen. Martin Luther rät uns, gar nicht erst selbst zu versuchen, mit eigenem Grübeln Ruhe in unsere Seele zu bringen und Wege auszudenken, wie uns geholfen werden kann. Nein! Wir sollen auf die Knie fallen, ein Vaterunser sprechen und unserem Herrn Jesus unsern Frust, all unsere Sorgen, Zweifel, Ängste usw. vortragen und uns ihm anvertrauen, ihn um seine Hilfe bitten. Wir sollen es Jesus und dem himmlischen Vater überlassen, auf welche Weise uns geholfen wird. Oder wie Paul Gerhard gedichtet hat: „Der Wolken, Luft und Winden / gibt Wege, Lauf und Bahn, / der wird auch Wege finden, /da dein Fuß gehen kann.“ (GL 502; EG 361)

Jesus ist bei uns, bei Dir, bei mir – und stets bereit zu helfen. Wir müssen sein Angebot nur annehmen, denn er wird sich uns nicht aufdrängen (vgl. Matthäus 7, 6). Wenn wir uns aber ihm zuwenden gilt seine Zusage „Ich will euch nicht als Waisen zurücklassen; ich komme zu euch“ (Johannes 14, 18).

Darauf können wir uns verlassen!

Ulrich Lorenz, Berlin