Andacht

Andacht über

1.    Mose 1, 31

Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Und siehe, es war sehr gut.

In nüchternen Worten berichtet die Bibel von der Erschaffung der Welt. Erst war da das Chaos ehe Gott beginnt „Es werde …“ zu sagen – und schon steht alles da. Aber bei aller Sachlichkeit des Berichtes: man spürt durch die Zeilen hindurch die Freude Gottes an dem Geschaffenen. Ich sehe es leibhaftig vor mir, wie der himmlische Vater sich am Abend jeden Tages zufrieden zurücklehnt, auf das blickt, was er heute gemacht hat und glücklich feststellt, „dass es gut war.“ Und als er die Menschen geschaffen hatte, „ein Bild, das uns gleich sei,“ (1. Mose 1, 26), da ist er besonders froh und „Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Und siehe, es war sehr gut“, den Monatsspruch.

In diesen Wörtchen „sehr gut“ schwingt etwas mit vom Stolz des Schöpfers über sein Werk. Ebenso unsere bewundernde Ergriffenheit angesichts der Schönheit eines Sonnenaufgangs oder der Blume vor unserem Fenster. Wir staunen über die Hingebung des himmlischen Vaters zu seiner Schöpfung, wie sie im kleinsten Detail zum Ausdruck kommt, wie dem Tupfen auf dem Flügeldeckel eines Marienkäfers, ebenso wie in dem Wunder des Universums. Nichts war für unseren himmlischen Vater zu klein, nichts zu groß, dass er sich nicht mit vollkommener Hingabe darum gekümmert hätte. „Herr, wie sind deine Werke so groß und viel! Du hast sie alle weise geordnet, und die Erde ist voll deiner Güter“ (Psalm 104, 24).

Nachdem Gott Mann und Frau als sein Ebenbild geschaffen hatte, gab Gott ihnen einen Auftrag: „Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht“ (1. Mose 1, 28). Doch der Satan in Gestalt der Schlange redete den Menschen ein, sie würden Gott gleich werden, wenn sie sich von seinen Geboten emanzipierten. Das taten die Menschen, indem sie von den Früchten des Baumes aßen, von dem Gott ihnen untersagt hatte zu essen. Seither sind die Menschen infiziert mit den Seuchen der Selbstsucht, der Habgier, dem Neid, der Lieblosigkeit.

Daher war die Herrschaft des Menschen nicht liebevoll den Geschöpfen gegenüber. Vielmehr plünderten die Menschen eigennützig ihre Umwelt und rotteten Tiere und Pflanzen aus, wenn diese ihnen keinen unmittelbaren Nutzen bringen konnten. Aus der ursprünglichen Vielzahl von Pflanzen- und Tierarten wurden im Lauf der Jahrhunderte immer weniger. Man sagt, täglich sterben 150 Tier- und Pflanzenarten für immer aus, weil der Mensch sie bewusst ausrottet oder ihnen den Lebensraum raubt. Die Natur ist zur Sache geworden, die sich dem Menschen bedingungslos unterzuordnen hat. Bäume, Tiere und Landschaften werden einer Autobahntrasse, einer Eisenbahnlinie, einer neuen Fabrik geopfert.

Dem stellt Jesus, der Sohn Gottes, die Liebe seines Vaters gegenüber, die Liebe, die er empfunden hat, als er die Berge und Täler, die Wälder und Seen, die großen Tiere und die kleinen Käfer schuf (vgl. Hiob 38f). Jesus versichert uns: „Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde“ (Johannes 3, 16f). Und ganz besonders: Jesus betont immer wieder die Liebe des himmlischen Vaters zu den Menschen. Die Liebe, die sich dem Nächsten zuwendet, ebenso, wie dem himmlischen Vater und seinem Werk. „Wie mich mein Vater liebt, so liebe ich euch auch. Bleibt in meiner Liebe! Wenn ihr meine Gebote haltet, bleibt ihr in meiner Liebe, so wie ich meines Vaters Gebote gehalten habe und bleibe in seiner Liebe“ (Johannes 15, 9f).

Lassen Sie sich, lassen wir uns im neuen Jahr von Jesu Liebe anstecken.

Ulrich Lorenz, Berlin