Andacht

Andacht über
2. Korinther 5, 19

Ja, Gott war es, der in Christus die Welt mit sich versöhnt hat.

„Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft und deinem ganzen Gemüt, und deinen Nächsten wie dich selbst“ (Lukas 10, 27). Bereits als Mose die Israeliten aus Ägypten führte, wurde dem Volk geboten, Gott und den Mitmenschen zu lieben. Gott bindet es ihnen gleichsam auf die Seele – doch die Geschichte lehrt: es ist vergeblich. Das Volk Israel, die Menschheit, wir alle, können nicht Gott, nicht den Mitmenschen, sondern nur uns selbst lieben.
Das fing schon mit Adam und Eva an. Gott hatte sie gewarnt: „Und Gott der HERR gebot dem Menschen und sprach: Du darfst essen von allen Bäumen im Garten, aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen sollst du nicht essen; denn an dem Tage, da du von ihm isst, musst du des Todes sterben“ (1. Mose 2, 17). Dennoch treibt sie ihre Gier, Gott gleich zu werden, dazu, genau das zu tun. Sie können nichts damit anfangen, sie erkennen nie das Gute, sondern lassen sich ein ums andere Mal zum Bösen verführen. Und Mord und Totschlag, sind die Folge. Aber sie haben ihren Ehrgeiz gestillt. Sie haben nur an sich gedacht, sich selbst geliebt und die Liebe Gottes, seine liebevolle Fürsorge für sie, missachtet.
Jahrhundert um Jahrhundert sind geprägt von Neid, Gier und Habsucht, eben von Schuld. Die Menschen können dem Anspruch Gottes nicht entsprechen, den Gott durch den Propheten Micha so herrlich griffig formuliert: „Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert: nichts als Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott (Micha 6, 8).
„Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids“ (Lukas 2, 10b f). Damit wird die Rettung der Menschheit vor dem Gericht Gottes angezeigt. Gott schickt seinen Sohn in die Welt, um zu retten und ihr zu zeigen, wie er sich das Zusammenleben denkt. Wie die Menschen „demütig sein können vor ihrem Gott“, und wie sie untereinander „Liebe üben“ können, eben wie sie „Gottes Wort halten“.
„Ja, Gott war es, der in Christus die Welt mit sich versöhnt hat“ lautet unser Monatsspruch, und der Apostel Paulus fährt fort „indem er ihnen ihre Verfehlungen nicht anrechnete und unter uns das Wort von der Versöhnung aufgerichtet hat.“ Jesus fasst das Angebot seines himmlischen Vaters so zusammen: „Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen“ (Johannes 5, 24).
Jesus ging zu den Menschen und erzählte ihnen vom Angebot seines himmlischen Vaters. Er kam Allen mit liebevoller Aufmerksamkeit entgegen, auch denen die durch Krankheit oder ihren Lebenswandel aus der Gesellschaft ausgeschlossen waren. Er lud und lädt alle ein, ihr Leben an seinem auszurichten. Jesus lebte das absolute Vertrauen in die Liebe Gottes. Er wusste, dass auch im Schweren Gott ihn halten und tragen würde. Selbst als es um seinen Opfertod ging, überließ er sich ganz Gottes Führung: „Mein Vater, ist’s möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber; doch nicht, wie ich will, sondern wie du willst!“ (Matthäus 26, 39) betet er in Gethsemane.
Auch für uns gilt: „Das wird unsern Glauben stärken, / wenn sich Not und Drangsal findet: / was der Vater mit uns tut, / ist uns allewege gut.“
Gott meint es immer gut mit uns, das wissen wir. Jesus sei Dank!

Ulrich Lorenz, Berlin