Andacht

Andacht über

Sacharja 2, 14

Freue dich und sei fröhlich, du Tochter Zion! Denn siehe, ich komme und will bei dir wohnen, spricht der HERR.

Die Tochter Zion hatte es nötig. Zu Sacharjas Zeit war Jerusalem noch weitgehend zerstört, auch wenn das Babylonische Exil bereits beendet war und die ersten Israeliten zurückkehrten. Aber es war trostlos. Lesen Sie bei Esra und Nehemia nach, mit welchen Widrigkeiten die Rückkehrer zu kämpfen hatten. Es muss so ähnlich gewesen sein, wie in Berlin 1945 bis 1949. Für Freude, zum Fröhlichsein bestand kein Anlass.

Und dann die Ankündigung des himmlischen Vaters, persönlich nach Jerusalem kommen und dort wohnen zu wollen. Welch ein Ereignis! Und es ist sicherlich nicht verkehrt, wenn wir annehmen, dass sich weder der Prophet noch seine Zuhörer über die Dimension der Folgen im Klaren waren. Doch die Ankündigung aus dem Munde des Propheten war vielversprechend: „Freue dich und sei fröhlich, du Tochter Zion! Denn siehe, ich komme und will bei dir wohnen, spricht der HERR“ (Sacharja 2, 14), unser Monatsspruch.

Schon zweihundert Jahre zuvor hatte der Prophet Micha geweissagt: „Und du Bethlehem Ephrata, die du klein bist unter den Städten in Juda, aus dir soll mir kommen, der in Israel HERR sei, dessen Ausgang von Anfang und von Ewigkeit her gewesen ist“ (Micha 5, 1). Und weiter prophezeit Micha von der Herrschaft des Messias: „Er aber wird auftreten und sie (die Menschen) weiden in der Kraft des HERRN und in der Hoheit des Namens des HERRN, seines Gottes. Und sie werden sicher wohnen; denn er wird zur selben Zeit herrlich werden bis an die Enden der Erde. Und er wird der Friede sein“ (Micha 5, 3f).

Micha war nicht der einzige Prophet, der vom Messias kündet, eher im Gegenteil: alle Propheten, ja, der ganze Teil der Bibel, den wir heute das Alte Testament nennen, ist voller mehr oder minder deutlicher Hinweise auf den Messias, den Retter der Menschen, auf Jesus. Bei Jesaja findet sich: „Darum wird euch der Herr selbst ein Zeichen geben: Siehe, eine Jungfrau ist schwanger und wird einen Sohn gebären, den wird sie nennen Immanuel“ (Jesaja 7, 14). „Immanuel“ heißt „Gott mit uns“ – wie konnten angesichts solch eindeutiger Aussagen die Führer des Volkes so ahnungslos sein, als drei Weise aus dem Morgenland bei ihnen vorsprachen und nach „dem neugeborenen König der Juden“ (Matthäus 2, 2) fragten?

So kam es, dass Jesus, der Sohn Gottes, weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit sein irdisches Leben begann. Es war ein besonderes Leben, das uns von den Evangelien berichtet wird. Jesus wirkte machtvolle Taten der Liebe Gottes, seines himmlischen Vaters. Er heilte unheilbar Kranke (z.B. Lukas 8, 43ff), er speiste Scharen von Menschen mit – ursprünglich – ganz geringen Mitteln (z.B. Matthäus 14, 13ff), er erweckte Gestorbene zu weiterem Leben (z.B. Lukas 8, 40ff.49ff) und vieles mehr.

Und er predigte, die Liebe zu Gott und zum Mitmenschen sei die einzige Aufgabe, sei der Lebensinhalt jedes Menschen (Matthäus 22, 34ff). Und er lebte so. Er begegnete allen Menschen mit unvoreingenommener Zuneigung, auch denen, die bei strafbaren oder unmoralischen Handlungen ertappt worden waren (vgl. Johannes 8, 1ff). Ja, er nahm sogar die Schuld der gesamten Menschheit aller Zeiten auf sich und opferte sein Leben als Sühne dafür: er ließ zu, dass er in Golgatha gekreuzigt wurde, obwohl niemand ihm persönlich eine Schuld vorwerfen konnte. Er ermöglichte damit, dass jeder Mensch, der sich ihm als Sohn Gottes anvertraut, ungehinderten Zugang hat zu Gott, dem himmlischen Vater (vgl. Römer 4, 23 ff). Und jeder, der an Jesus als den Sohn Gottes glaubt, dem verspricht der himmlische Vater das ewige Leben (Johannes 3, 16).

Und so feiern wir in jedem Jahr in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember voll fröhlicher Dankbarkeit den Geburtstag unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus. Ein gesegnetes Christfest Ihnen allen, und ein gutes Neues Jahr.

Ulrich Lorenz, Berlin