Andacht

Andacht über

1. Könige 8, 39

Du allein kennst das Herz aller Menschenkinder

Es war ein riesiges Bauwerk, das der König einweihte, ein pracht- und prunkvoll geschmücktes Gebäude, von Menschenhand erbaut, aber eines machtvollen Herrschers würdig: der neue Tempel in Jerusalem, den König Salomo heute einweihte. Schon sein Vater, König David, war der Meinung gewesen, dass die Repräsentanz Gottes etwas mickrig geraten war (2. Samuel 7, 1f). Die Stiftshütte war praktisch nur ein Zelt – eigentlich unwürdig eines so mächtigen Gottes. Der verdiente eine angemessenere Stätte für eine repräsentative Anbetung. Schließlich hatten ja die Völker rundum auch prächtige Tempel für ihre Götter geschaffen. Wenn man nur an die Tempel in Memphis oder Ninive dachte!

König Salomo versammelt die Ältesten und das Volk Israel, sie bringen die Bundeslade aus „dem Zelt, das David für sie aufgeschlagen hatte“ (2. Samuel 6, 17), und stellen sie in das Allerheiligste. „Da sprach Salomo: Die Sonne hat der HERR an den Himmel gestellt. Er hat aber gesagt, er wolle im Dunkel wohnen. So habe ich nun ein erhabenes Haus gebaut dir zur Wohnung, eine Stätte, dass du ewiglich da wohnest“ (1. Könige 8, 12f).

Und Salomo trat vor den Altar und betete zu Gott: „…so wollest du hören im Himmel, an dem Ort, wo du wohnst, und gnädig sein und schaffen, dass du jedem gibst, wie er gewandelt ist, wie du sein Herz erkennst – denn du allein kennst das Herz aller Menschenkinder“ – unseren Monatsspruch.

Gott und sein Sohn Jesus Christus, kennen sich aus mit dem menschlichen Herzen. Sätze, wie „Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz“ (Matthäus 6 21) oder „Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über“ (Matthäus, 12, 34) lassen erkennen, dass Jesus genau weiß, was in uns vorgeht. Wenn wir in die Kirche gehen, so wie damals die Israeliten in den Tempel, ist jedoch nicht sicher, ob unser Herz auch mitgekommen ist. Kann es nicht sein, dass unser Herz bei unseren Sorgen zu Hause geblieben ist? Ist es nicht so, dass unsere Gedanken uns auch im Gottesdienst mit unseren Alltagssorgen und -problemen beschäftigen, uns ablenken, uns hindern beim Vaterunser wirklich zu wollen, dass „dein Wille geschehe“? Dass wir nur gleichsam automatisch mitbeten?

Es sind vor allem die alltäglichen Sorgen, die uns umtreiben: „Was soll ich morgen kochen?“ „Wird meine Rente für mich ausreichen?“ Jesus weiß davon. Mit dem wunderschönen Gleichnis von den „Vögeln unter dem Himmel“ und den „Lilien auf dem Feld“ (Matthäus 6, 26 ff; Lukas 12, 22 ff) lädt er uns ein, seinem Vater, unserm Vater im Himmel, rückhaltlos zu vertrauen: „Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? Was werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden? Nur Menschen, die Gott nicht kennen, lassen sich von solchen Dingen bestimmen. Denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr all dessen bedürft. Sorgt euch zuerst darum, dass ihr euch seiner Herrschaft unterstellt, und tut, was er verlangt, dann wird er euch schon mit all dem anderen versorgen. Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat“ (Matthäus 6, 31 ff).

Lassen Sie sich einladen, diesen Rat Jesu für Ihr Leben zu übernehmen. Sie werden mit Sicherheit nicht enttäuscht werden.

Ulrich Lorenz, Berlin