Andacht

Andacht über

Prediger 3, 11

(Gott) hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt; nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende.

Er war mein Klassenkamerad im Gymnasium. Wie die meisten von uns trieb ihn die Frage nach dem Sinn des Lebens um. Seines Lebens. Warum sollte er Abitur machen? Warum war ausgerechnet sein Vater im Krieg getötet worden? Auch als wir alle nach bestandener Abiturprüfung auseinander gingen, ließ ihn – und nicht nur ihn – die Frage nach dem „Warum?“ nicht los. Er fand keine ihn befriedigende Antwort; er erhängte sich.

„Dies sind die Reden des Predigers, des Sohnes Davids, des Königs zu Jerusalem“ (Prediger 1, 1) sagt der Autor eines Buches der Bibel von sich selbst, das sich mit dieser Frage beschäftigt. Das Buch ist dem Laubhüttenfest als Festrolle zugeordnet, das im Jahr 2018 vom 23. bis 30. September gefeiert wird.

Der Prediger kommt zu dem Ergebnis, dass alles im Leben eines Menschen von Gott geordnet wird. Gott sorgt für uns. „Da merkte ich, dass es nichts Besseres dabei gibt als fröhlich sein und sich gütlich tun in seinem Leben. Denn ein jeder Mensch, der da isst und trinkt und hat guten Mut bei all seinem Mühen, das ist eine Gabe Gottes. Ich merkte, dass alles, was Gott tut, das besteht für ewig; man kann nichts dazutun noch wegtun. Das alles tut Gott, dass man sich vor ihm fürchten soll“ (Prediger 3, 12f).

Der Mensch soll also nicht darüber grübeln, was der Sinn seines Lebens ist oder warum ausgerechnet ihn ein ihm unangenehmes Ereignis trifft, nein, er soll sein Leben leben. Deshalb „hat (Gott) alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt; nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende“ – unser Monatsspruch. Man kann also allenfalls im Augenblick des Todes verstehen, welchen Sinn das Leben gehabt hat. Oder wie der dänische Theologe und Philosoph Soeren Kierkegaard es formuliert hat: „Das Leben kann nur in der Schau nach rückwärts verstanden, aber nur in der Schau nach vorwärts gelebt werden.“

Jesus weist seine Jünger auf die gleiche Grundeinstellung zum Leben hin, wenn er ihnen sagt: „Darum sage ich euch: Sorgt euch nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung? Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel kostbarer als sie?  (…) Denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr all dessen bedürft“ (Matthäus 6, 25ff). In diesem Sinne ist auch die Antwort Jesu auf die Frage seiner Jünger zu verstehen, wer denn gesündigt habe, so dass dieser Mensch blind geboren ist: „Es hat weder dieser gesündigt noch seine Eltern, sondern es sollen die Werke Gottes offenbar werden an ihm“ (Johannes 9, 3).

So sollen wir nicht grübeln und uns einen schweren Kopf machen über das, was uns morgen bevorsteht oder im Alter, ob das Geld reicht und die Gesundheit uns erhalten bleibt.

Wir können vielmehr froh in jeden Tag hineingehen, den der himmlische Vater uns schenkt. Wir sind gewiss, dass er für uns sorgen wird als ein liebender Vater. Wir brauchen nur auf Jesus zu hören und ihm zu vertrauen.

Ulrich Lorenz, Berlin