Andacht

Andacht über

Markus 13, 37

Jesus Christus spricht: Wachet!

„‚Wachet auf‘, ruft uns die Stimme / Der Wächter sehr hoch auf der Zinne / ‚Wach auf, du Stadt Jerusalem! / Mitternacht heißt diese Stunde‘; / Sie rufen uns mit hellem Munde: / ‚Wo seid ihr klugen Jungfrauen? / Wohl auf, der Bräutgam kömmt, / Steht auf, die Lampen nehmt! / Alleluja! Macht euch bereit zu der Hochzeit, / Ihr müsset ihm entgegen gehn!‘“ (GL 721; EG 147; Kantate zum 27. Sonntag nach Trinitatis, BWV 140). Jesaja hat prophezeit (Jesaja 52,8): die Wächter auf den Mauern Jerusalems werden es ausrufen, wenn der Herr wiederkommt. Jesus hat es im Gleichnis von den klugen und den törichten Jungfrauen (Matthäus 25, 1ff) bestätigt: er, der Bräutigam kommt unversehens, er ist irgendwann einmal plötzlich da. Er kommt, um sich mit seiner Braut zu vereinen; er wird Hochzeit halten mit der Gemeinde, der Schar seiner Anhänger.

Es wird eine prunkvolle Hochzeit werden, eines Königs würdig (vgl. z.B. Matthäus 22, 2ff). Alle sind dazu eingeladen. Die ganze Menschheit darf kommen. Keiner ist ausgeschlossen. Wirklich „keiner“? Jesu Erzählung deutet an, dass die Gäste den Vorstellungen des „Königs“, des himmlischen Vaters, entsprechen müssen. Denn „die Einladung ergeht an alle, und doch gibt es Grenzen der göttlichen Toleranz? Gottes Gnade, so heißt die Antwort, ist unbegrenzt, aber sie ist nicht billig. Von der Nachfolge Jesu ist niemand ausgeschlossen, aber sie wird auch niemandem leichtgemacht“ (Bischof Huber).

Deshalb ermahnt uns Jesus: „Wachet!“ Denn unserem Christsein droht Gefahr. Wir haben einen Gegenspieler, einen Feind. Der ist außerordentlich listig und wandlungsfähig. Der Brief an die Hebräer macht die Geschwister im frühchristlichen Israel, macht auch uns klar auf die Gefahr aufmerksam: „Seid nüchtern und wacht; denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge“ (Hebräer 5, 8). Ständig umschleicht er uns. Immerzu lauert er auf eine Gelegenheit, uns von Jesus Christus zu entfremden. Es fängt oft ganz harmlos an: „Und die Schlange war listiger als alle Tiere auf dem Felde, die Gott der HERR gemacht hatte, und sprach zu der Frau: Ja, sollte Gott gesagt haben: Ihr sollt nicht essen von allen Bäumen im Garten?“ (1. Mose 3, 1). Ein freundlicher Plausch zwischen Nachbarn am Gartenzaun. Ist doch nichts dabei! Doch: „Wachet!“ Wir alle wissen, wie die Geschichte weitergegangen ist und wie wir noch heute unter den Folgen zu leiden haben. (Und wer das nicht weiß, nimmt sich eine Bibel und liest die ganze Geschichte in 1. Mose 3.)

Der Satan ist geschickt und phantasievoll im Aushecken von Fallen, mit denen er uns fangen kann, damit wir ihm hörig werden. Er buddelt jedem von uns seine eigene Grube. Er kennt und nutzt alle unsere Schwächen. Das zeigt uns das Beispiel des Königs David. „Und es begab sich, dass David um den Abend aufstand von seinem Lager und sich auf dem Dach des Königshauses erging; da sah er vom Dach aus eine Frau sich waschen; und die Frau war von sehr schöner Gestalt“ (2. Samuel 11, 2). Mehr braucht der Satan nicht. Diese Situation genügt, den Rest macht Davids Natur, sein Gefühl, gottbegnadeter König zu sein und seine Lust am amourösen Abenteuer.

Sind nicht auch wir empfänglich für die Reize des anderen Geschlechts wie David? Sind nicht auch wir naiv und lassen uns dadurch in törichte Diskussionen ziehen wie Eva? Haben wir nicht alle unsere kleineren und größeren Schwächen? Wie gut, dass Jesus uns zur Wachsamkeit ermahnt. Und dass er uns vergeben will!

Danke, lieber Herr! Danke, lieber Jesus!

Ulrich Lorenz, Berlin