Andacht

Andacht über

Jesaja 50, 10

Wer im Dunkel lebt und wem kein Licht leuchtet,

der vertraue auf den Namen des Herrn

und verlasse sich auf seinen Gott.

„Euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids“ (Lukas 2, 11). Mit diesen Worten verkündet der Engel den Menschen die Geburt Jesu Christi. In ihrer Anmaßung, „zu sein wie Gott und (zu) wissen, was gut und böse ist“ (1. Mose 3, 5b), wie ihnen die Schlange versprochen hatte, hadern die Menschen damals wie heute mit dem himmlischen Vater. Vor Allem meinen sie, der „liebe“ Gott könne doch nicht das Leid gesandt haben, dass sie betroffen hat, ob das nun ein nationales Unglück ist, wie das Exil des Volkes Israel in Babylon, oder ein individuelles Geschick, wie die eigene Erkrankung an Krebs.

Stattdessen: „Wer im Dunkel lebt und wem kein Licht leuchtet, der vertraue auf den Namen des Herrn und verlasse sich auf seinen Gott“, unser Monatsspruch.  Gerade wer im Leid ist, wer „im Dunkel lebt“, sollte sich vertrauensvoll an Gott halten. Der Vers stammt aus der prophetischen Verkündigung Jesajas über den Gottesknecht, eine Prophetie, die in Jesus verwirklicht wurde.

Jesus hat mit seinem Leben und Sterben gezeigt, dass Gottes Handeln nicht mit irdischen, menschlichen Maßstäben zu messen ist: Gott hat den schmählich am Kreuz Hingerichteten, den nach menschlichen Maßstäben Gescheiterten, drei Tage später von den Toten auferweckt, ihm ewiges Leben gegeben („Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“ (Matthäus 28, 20) und ihn zum Fürsprecher der Menschen gemacht. Welch ein Aufstieg! Jesus hatte Gott auch in Leid und Not vertraut, sich seiner liebevollen Führung unterworfen.

Das haben auch andere Menschen durchlebt und davon berichtet. Unter ihnen Dietrich Bonhoeffer (1906 – 1945): „Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern / des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand, / so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern / aus deiner guten und geliebten Hand.“ (685 GL / 65 EG, Vers 3).

Oder Georg Neumark (1621 – 1681): „Was helfen uns die schweren Sorgen, / was hilft uns unser Weh und Ach? / Was hilft es, dass wir alle Morgen / beseufzen unser Ungemach? / Wir machen unser Kreuz und Leid / nur größer durch die Traurigkeit. // Man halte nur ein wenig stille / und sei doch in sich selbst vergnügt, / wie unser’s Gottes Gnadenwille, / wie sein Allwissenheit es fügt; / Gott, der uns sich hat auserwählt, / der weiß auch sehr wohl, was uns fehlt.“ (495 GL / 369 EG, Verse 2 und 3).

Auch Paul Gerhardt (1607 – 1676) gehört dazu: „Hoff, o du arme Seele, / hoff und sei unverzagt! / Gott wird dich aus der Höhle, / da dich der Kummer plagt, / mit großen Gnaden rücken; / erwarte nur die Zeit, / so wirst du schon erblicken / die Sonn der schönsten Freud“ (502 GL / 361 EG, Vers 6).

Oder, last but not least, Albrecht von Brandenburg, Herzog von Preußen (1490 – 1545), dessen Text Johann Sebastian Bach später vertont hat: „Was mein Gott will, das g’scheh‘ allzeit, / Sein Will‘, der ist der beste; / Zu helfen dem er ist bereit, / Der an ihn glaubet feste; / Er hilft aus Not, der fromme Gott, /  Und züchtiget mit Maßen. / Wer Gott vertraut, fest auf ihn baut, / Den will er nicht verlassen.“ (486 GL / 364 EG, Vers 1 / J. S. Bach, Kantate zum 3. Sonntag nach Epiphanias, BWV 111).

Wann lernen eigentlich wir, Gottes Führung in unserem Leben demütig zu akzeptieren?! Das Christfest ist eine gute Gelegenheit, unser Leben in Jesu Hände zu legen und uns seiner Leitung anzuvertrauen.

Ein frohes, gesegnetes Christfest Ihnen allen.

Ulrich Lorenz, Berlin