Andacht

Andacht über

Apostelgeschichte 17, 27f

Gott ist nicht ferne von einem jeden unter uns. Denn in ihm leben, weben und sind wir.

„Von guten Mächten treu und still umgeben, behütet und getröstet wunderbar, so will ich diese Tage mit euch leben und mit euch gehen in ein neues Jahr“ (GL 685; EG 65). Mit diesen Zeilen beginnt das bekannte Gedicht von Dietrich Bonhoeffer. Er hat es zum Jahreswechsel 1944/45 geschrieben. Gefangen im GESTAPO-Gefängnis Moabit wusste er, dass er sein Leben nicht würde behalten können. Doch er wusste sich „von guten Mächten wunderbar geborgen“ und so konnte er „getrost erwarten, was kommen mag.“ Ein gutes Vierteljahr später wurde er im KZ Flossenbürg auf ausdrücklichen Befehl Hitlers hingerichtet.

Eine dieser „Mächte“, die uns auf stille, treue Weise umgeben, hat der Apostel Paulus auf einem Altar in Athen erkannt. Er will den Griechen diesen Gott nahebringen. „Denn ich bin umhergegangen und habe eure Heiligtümer angesehen und fand einen Altar, auf dem stand geschrieben: Dem unbekannten Gott. Nun verkündige ich euch, was ihr unwissend verehrt“ (Apostelgeschichte 17, 23). Er verkündigte das Evangelium von Jesus Christus (a.a.O.18) und kam dabei zu der Feststellung „Gott ist nicht ferne von einem jeden unter uns. Denn in ihm leben, weben und sind wir“, unseren Monatsspruch.

Die Überheblichkeit, die den Menschen vom Satan eingegeben wird, will uns einreden, wir seien Herr und Meister unseres Lebens, ja, der Welt. Doch: Wir haben uns das Leben nicht selbst gegeben, wir haben auch die Welt nicht selbst in Gang gesetzt. Und wir alle sind Geschöpfe aus Gottes Hand. Es gibt eine Verbundenheit unter allen Menschen, die kräftiger ist als alle Unterschiede und Trennungen. Eigentlich ist die Gottlosigkeit, die Leugnung Gottes eine Selbsttäuschung von Menschen, eine Art Blindheit, eine Folge des vermeintlichen Fortschritts, als Eva den Apfel nahm (so Bischof Martin Kruse).

Da ist aber noch eine zweite „Macht“, von der Bonhoeffer „treu und still umgeben“ ist, eine, zu der er beten kann: „Ach, gib unsern aufgeschreckten Seelen das Heil, für das du uns geschaffen hast“: Jesus, unser Herr und Heiland. Der hat allen seinen Jüngern seinen Frieden geschenkt und versprochen: „Ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Welt“ (Matthäus 28, 20), „Ich will euch nicht als Waisen zurücklassen; ich komme zu euch“ Johannes 14, 18). Er lässt uns nicht allein in der Angst und Not unserer Nächte, in denen die Gedanken unendlich kreisen. Er hat uns außerdem vorgelebt, wie wir vertrauensvoll im ständigen Kontakt mit dem himmlischen Vater leben können und ein Muster gestiftet, wie wir in kindlichem Vertrauen zu ihm beten (Matthäus 6; Lukas 11).

Der Dritte im Bunde ist der Heilige Geist, der Tröster, der uns lehrt, wie wir uns zu verhalten haben, was wir sagen und tun sollen (vgl. Markus 13, 11; Lukas 12, 12; Johannes 14, 26). Der befähigt uns dann auch, Schweres, ja, das Letzte zu ertragen: „Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand, so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern aus deiner guten und geliebten Hand“ (Vers 3).

So befähigt uns die treue Nähe unseres dreieinigen himmlischen Vaters das Leben zu führen zu dem er uns bestimmt hat in seinem Heilsplan. Und dann können auch wir aus eigener Erfahrung feststellen: „Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“

Ulrich Lorenz, Berlin