Andacht

Andacht über

Tobias 4, 8

Wie es dir möglich ist: Aus dem Vollen schöpfend – gib davon Almosen! Wenn dir wenig möglich ist, fürchte dich nicht, aus dem Wenigen Almosen zu geben!

„Tobias“ ist ein biblisches Buch, das nicht in allen Bibeln enthalten ist. Denn es gehört zu den Apokryphen. „Das sind Bücher, so der Heiligen Schrift nicht gleich gehalten und doch nützlich und gut zu lesen sind“ sagt Martin Luther dazu. Das Buch „Tobias“ heißt in manchen Übersetzungen „Tobit“. Es handelt von zwei Männern, Vater und Sohn. Der Vater heißt in diesen Übersetzungen „Tobit“, in den anderen Bibelausgaben heißt er wie der Sohn „Tobias“.

Tobias sen. ist ein sehr gottesfürchtiger Mann aus dem Volk Israel. Er zeichnet sich insbesondere durch seine Großzügigkeit beim Spenden und Vergeben von Almosen aus. Zusammen mit anderen Würdenträgern wird er aus dem Nordreich durch Salmanassar V. nach Assyrien, genauer: nach Ninive, verschleppt. Dort bewahrt er sich sein hohes Maß an Gottestreue, auch noch als er blind und arm ist. Wie Hiob hält er an seinem Gottvertrauen fest, selbst als ihn Freunde und Verwandte deswegen schelten. Er lebt getreu der Bedeutung seines Namens. Denn hebräisch „Tobias“ heißt auf Deutsch „der Herr ist gütig“. Als er meint, dem Tode nahe zu sein, ruft er seinen Sohn. Er ermahnt Tobias jun., stets barmherzig zu sein. „Hast du viel, so gib reichlich; hast Du wenig, so gib doch das Wenige von Herzen“ (Tobias 4, 8, Luther 1984), rät er ihm. Oder, wie unser Monatsspruch es formuliert: „Wie es dir möglich ist: Aus dem Vollen schöpfend – gib davon Almosen! Wenn dir wenig möglich ist, fürchte dich nicht, aus dem Wenigen Almosen zu geben!“ (Tobias 4, 8, Einheitsübersetzung).

Tobias sen. hatte erlebt, dass er sich stets auf den himmlischen Vater verlassen konnte, dass er also nicht an seinem Besitz zu hängen braucht, um zuversichtlich in die Zukunft sehen zu können. Jesus hat im Tempel in Jerusalem seinen Jüngern die richtige Einstellung (vgl. Markus 12, 41ff; Lukas 21, 1ff) am Beispiel der alten Witwe gezeigt, die ihre gesamte Habe im Vertrauen auf den himmlischen Vater und seine zuverlässige Fürsorge eingelegt. Unser Geld bewirkt nichts, Gott vermag zuverlässig mehr zu spenden als wir jemals könnten: er fordert unsere Mitwirkung nur als Zeichen unserer Liebe zu ihm.

Jesus macht uns mit den Gleichnissen von dem Schatz im Acker und von der wertvollen Perle (Matthäus 13, 44ff) deutlich, dass der himmlische Vater sein Liebstes, sein Wertvollstes einsetzt, um uns zu retten: seinen geliebten Sohn. Er erwartet, dass auch wir unser Liebstes, unser Geld, zu opfern bereit sind.

Ein Christ soll sich nicht auf Reichtum verlassen. Sonst geht es ihm wie dem Bauern im Gleichnis (vgl. Lukas 12, 13ff), der eine reiche Ernte einfährt und nicht genug Platz hat, die Ernte unterzubringen. Er beschließt, seine Scheunen abzureißen und größere zu bauen. „Dann werde ich zu meiner Seele sagen: Seele, nun hast du einen großen Vorrat, der für viele Jahre reicht. Ruh dich aus, iss und trink und freue dich!“ (Lukas 12, 19). Doch der himmlische Vater weiß es besser: „Da sprach Gott zu ihm: Du Narr! Noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir zurückfordern“ (Lukas 12, 20).

Jesus will uns veranschaulichen, dass wir für unsere Zukunft nichts tun können, sondern uns ohne Einschränkung auf unseren himmlischen Vater verlassen sollen und können. Tun wir es doch endlich!

Ulrich Lorenz, Berlin